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"Habe dafür sehr viel und hart gearbeitet..." / Bahn-Radsport-Ass Lea Sophie Friedrich über Olympia 2021 in Tokyo


Die olympischen Bahnradsportwettkämpfe 2021 in Tokyo sind längst schon wieder Geschichte. Die Dassowerin Lea Sophie Friedrich, Jahrgang 2000, Schweriner SC, konnte dabei aus M-V-Sicht Silber im Teamsprint mit der Hildesheimerin Emma Hinze gewinnen. Im Keirin erreichte Lea das Viertelfinale, im Sprint gab es dazu einen guten fünften Rang. Und als "besondere Zugabe" stellte Lea über die fliegenden 200 Meter in der Sprint-Qualifikation in 10.310 Sekunden einen neuen olympischen Rekord auf.

 

Wie lautet nun Leas persönlicher Olympia-Rückblick?!

 

Nachgefragt

 

Lea über ihre Wettkämpfe, die Vorbereitung auf Tokyo, über die Stimmung vor Ort, die Stellung des Leistungssporttes in Deutschland und weitere Ziele "Habe dafür sehr viel und hart gearbeitet..."

 

Frage: Lea, Olympia ist längst "abgehakt". In der Rückblende: Wie lautet Ihr persönliches Resümee?

 

Lea: Ich bin sehr glücklich über meine Silbermedaille und kann es noch immer nicht fassen, eine Medaillen-Gewinnerin bei Olympischen Spielen zu sein. Dieser Moment und das Gefühl bleiben auf jeden Fall nachhaltig positiv bei mir. Zum „Negativen“: Negativ möchte ich es allerdings nicht nennen... Aber für den Sprint und für das Keirin hätte ich mir persönlich andere Ergebnisse gewünscht. Jedoch: Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Olympia 2021 war eine sehr lehrreiche Erfahrung.

 

Frage: Wie verlief die Vorbereitung auf Tokyo unter Pandemiebedingungen? Waren vielen zusätzliche "Hürden" zu meistern?

 

Lea: Die Vorbereitungen auf Tokyo verliefen ziemlich gut. Wir konnten uns sehr gut auf die Einsätze bei den Olympischen Spielen in Frankfurt/Oder vorbereiten. Dabei konnten wir jedes Training so machen, wie wir wollten, und hatten einen privaten Koch, der uns eine gesunde und ausgewogene Ernährung ermöglichte.

 

Frage: Wie war es dann vor Ort? Die Mehrheit der Japanerinnen bzw. Japaner waren angesichts steigender Inzidenzen ja gegen die Spiele. Zuschauer waren nicht zugelassen, ein Rahmenprogramm fehlte und 48 Stunden nach dem letzten eigenen Wettkampf mussten die Athletinnen/Athleten Tokyo wieder verlassen. Gab es dennoch Möglichkeiten, die Stadt und die Menschen vor Ort etwas kennenzulernen?

 

Lea: In Tokyo war es zuerst ein kleiner Schock, wie wir dort in dem „Cycling Village“ untergekommen sind. Allerdings haben wir uns schnell dran gewöhnt.

 

Natürlich hatten wir dort vor Ort auch sehr strenge Corona-Maßnahmen. Wir mussten jeden Tag einen Test machen, diesen abgeben und unsere Körpertemperatur messen. Das Essen war in Tokyo in Ordnung. Ich denke, es war für jeden etwas dabei.

 

Ich fand es leider sehr schade, dass wir das Land und die Stadt Tokyo nicht näher kennenlernen konnten. Wir hatten keine Möglichkeiten, etwas vom Land zu sehen, weil wir nur von unserem Olympischen Dorf zur Radbahn fahren durften und wieder zurück. - Wir konnten übrigens nicht einmal das leckere Sushi in Japan probieren…

 

Ich verstehe es aber, dass die Japaner so streng reagierten und nahm das auch alles gerne in Kauf, weil dafür letztendlich die Olympischen Spiele stattfinden konnten. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Die Stimmung beim Wettkampf würde ich als sehr angespannt charakterisieren, wobei wir alle sehr konzentriert und fokussiert waren. Wir wussten ja, was wir wollten! Ansonsten bin ich der Auffassung, dass wir Sportler untereinander ein super Team waren.

 

Frage: Sie feierten in den letzten vier Jahren, insbesondere seit 2017, bei Junioren-, U 23- und Elite-EM/-WM eine Menge Erfolge. Mit dem Olympia-Silber 2021 sind es 22 Medaillen - eine beeindruckende Bilanz! Welcher Ihrer Erfolge war bis dato der schönste? Welche Ziele peilen Sie in den nächsten Jahren an?

 

Lea: Mein schönster Erfolg ist schon die Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokyo. Ich habe dafür sehr viel und hart gearbeitet. Jeden Tag habe ich die letzten vier Jahre nur an Tokyo gedacht… Ich habe geschwitzt, geweint, bin verzweifelt, wollte aufgeben, hatte Schmerzen, Heimweh, musste kämpfen und habe mein „zweites Leben“ in den Hintergrund gestellt – all das für das Ziel Olympia 2021.

 

Ich bin einfach nur froh, dass ich diese Medaille in der Hand halten kann und nahm dafür all die Entbehrungen sehr gerne hin.

 

Frage: Sie sind ja Polizeimeisterin - für Sie eine berufliche Option nach der sportlichen Karriere, die hoffentlich noch lange dauern wird. Oder könnten Sie sich irgendwann einmal eine Tätigkeit als Trainerin vorstellen?

 

Lea: Über mein berufliches Leben habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich könnte mir aber gut vorstellen, „irgendetwas“ später auch weiterhin mit dem Sport zu machen. Ob es der Beruf einer Trainerin wird, weiß ich nicht. Ich bin jedenfalls froh, bei der Bundespolizei sein zu können und hoffe, dass ich später – über diese Tätigkeit - eine Stelle finden werde, die mir Spaß und Freude bereiten wird.

 

Frage: Noch einmal zurück zu Olympia... Die Bilanz für Team D war ja eher mau. Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern, damit Deutschland wieder eine größere Rolle im Weltsport spielt?

 

Lea: Ich denke, das hat einfach auch viel damit zu tun, das Gelder in anderen Bereichen üppiger ausgegeben werden als im Sport.

 

Viele unterschätzen den Nachwuchs oder die Ambitionierten, die vom Breitensport in den Leistungssport wollen. Genau diese Leute müssten jedoch mehr Förderung erhalten. Es muss eben mehr an den Nachwuchs und den Breitensport gedacht werden.

 

Meiner Meinung nach müsste die ganze Infrastruktur im Sport besser ausgebaut werden und zudem sollten in vielen Sportarten noch bessere sportliche Bedingungen ermöglichen werden. Noch ein wichtiger Punkt: Der Leistungssport bzw. der Sport allgemein müsste noch attraktiver für die Sportinteressierten gestaltet werden - und da rede ich nicht vom Fußball, sondern auch von Sportarten wie Radsport, Schwimmen, Turnen, Leichtathletik, Judo, Ringen, Fechten und und und. Ich könnte alle möglichen Sportarten aufzählen. Aber es sind leider einfach zu viele.

 

Letzte Frage: Und wie geht es aktuell für Sie weiter? Urlaub, Training oder berufliches Schaffen...

 

Lea: Ich war gerade zwei Wochen im Urlaub – in Italien und in Österreich. Aktuell (Anfang September 2021) bin ich seit knapp zwei Wochen wieder im Training und bereite mich auf die WM in Frankreich vor.

 

Vielen Dank, weiterhin alles erdenklich Gute und maximale Erfolge bei den WM!

 

Erfolgreiche Bahn-Radsportlerinnen und -Sportler bei Olympia aus M-V

 

- Günther Schumacher, Jahrgang 1949, gebürtiger Rostock, für den Berliner RC Grün-Weiß Derby 1921 bzw. für den VfR Büttgen startend, Olympiasieger mit dem westdeutschen Bahnvierer 1972 in München und 1976 in Montreal

 

- Stefan Nimke, Jahrgang 1978, gebürtiger Hagenower, Wahl-Schweriner, Olympiasieger im Teamsprint 2004 in Athen, Olympia-Zweiter im 1000 Meter-Zeitfahren 2000 in Sydney, Olympia-Dritter im 1000 Meter-Zeitfahren 2004 in Athen, Olympia-Driter im Teamsprint 2008 in Peking und Paralympics-Dritter im 1000 Meter-Tandem-Zeitfahren als Pilot von Kai Christian Kruse in Rio de Janeiro 2016

 

- Katrin Meinke, Jahrgang 1979, gebürtige Wismarerin, für den RSC Cottbus startend, Sprint-Sechste in Athen 2004 (dazu Elfte im 500 Meter-Zeitfahren, Neunte im Punktefahren)

 

Info:

 

- Der gebürtige Bad Doberaner Hans Joachim Wolf, Jahrgang 1940, startete für die USA 1964 in Tokyo im Bahnvierer, mit seinen Teamkollegen Donald Nelsen, Oliver Martin und Arnold Uhrlass. Im 6.Lauf des Achtelfinales distanzierten die US-Amerikaner mit Hans Wolf zwar die Belgier, die Zeit von 5:01,41 min reichte aber nicht für die Qualifikation ins Viertelfinale. Letztendlich wurden die USA Zwölfte.

 

- Bei den Paralympics 2021 in Tokyo belegten die Wahl-Mecklenburger Kai Christian Kruse und Robert Förstemann (Pilot / beide PSV Rostock) im 1000 Meter-Tandem-Zeitfahren Rang vier, verpassten Bronze nur knapp.

 

M.Michels

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